Jennifer lässt sich im Baggersee taufen
05.08.02 | Donau Online
Ingolstadt (iso) Es ist Samstagmorgen am Baggersee. Die Ersten bereiten gerade ihre Picknickdecken aus, da kommt eine kleine Gruppe ans Ufer, darunter ein weiß gekleideter junger Mann und ein Mädchen an der Hand ihrer Mutter. Jennifer ist neun Jahre alt und will sich an diesem Tag im Baggersee taufen lassen.
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Sie hat sich den besonderen Ort selbst gewünscht und unterstreicht damit, dass für die Mormonen · die Gläubigen der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", wie sie sich nennen · die "bewusste" Entscheidung dafür wichtig ist.
"Wir leben nach den Geboten Gott zu lieben und dann den Nächsten", sagt Wolfgang Schürer, Präsident des "Ältestenkollegiums" der Ingolstädter Gemeinde mit ihren rund 100 Mitgliedern. Schürer trinkt keinen Alkohol ("außer in einer Medizin") und raucht nicht, weil er seinen Körper "rein" halten will. 1996 zählte die Gemeinschaft weltweit 9,4 Millionen Anhänger (davon 39 000 in Deutschland, das sind mehr als doppelt so viele wie 1959). Durch die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City sind die Mormonen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, sind sie doch im US-amerikanischen Staat Utah die das öffentliche Leben bestimmende Religion. Diese kostenlose Öffentlichkeitsarbeit sei gut gewesen, stellt Schürer fest. "Ja, ihr habt ja gar keine Vielehe mehr", habe die Schwester seiner Frau daraufhin festgestellt.
Ritual der Taufe Verstorbener
Damit nämlich werden die Mormonen meist assoziiert, haben doch die Anhänger des Gründers Joseph Smith (1805·1844) diese anfangs ausdrücklich befürwortet. Erst 1890 wurde die Vielehe vom Mormonenpräsidenten offiziell als "Offenbarung" widerrufen. Eine Besonderheit der Mormonen ist das Ritual der Taufe Verstorbener · als "Angebot in der Geisterwelt", so Schürer. Deshalb lehnt es der evangelische Dekan Heinz Schmeckenbecher ab, wenn Mormonen Einblick in Kirchenbücher nehmen wollen, um zu diesem Zweck die Namen der Ahnen herauszufinden. Schürer betont dagegen, dass alle Ahnenforscher die (guten und sehr vollständigen) Archive der Mormonen nutzen dürften.
Die Mormonen gelten für die beiden Großkirchen wegen zahlreicher "Sonderlehren" als "eigenständige Neu-Religion". Beide Stadtdekane betonen aber, dass es "vom praktischen Zusammenleben her" keine Probleme gebe. Die Taufe von Jennifer erkennen allerdings beide Kirchen nicht als solche an, weil die Mormonen dabei nicht die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse zu Grunde legen.
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