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"Alle anderen Kirchen sind ihnen ein Gräuel" Mormonen eröffnen am Sonntag eine Gemeinde im BIZ
05.09.02 | Westfalenpost



Meschede. Selbst Dechant Johannes Sprenger war überrascht: "Eine Mormonen-Gemeinde in Meschede? Das ist mir neu." Im ehemaligen Berufsinformations-Zentrum (BIZ) in der Ruhrstraße wird die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage", so ihre offizielle Bezeichnung, am Sonntag eine Gemeinde eröffnen.


Rund 40 Mitglieder soll die neue Gemeinde nach Information ihrer Pressesprecherin umfassen. Man wolle eine Sonntagsschule und Gruppen für Kinder und Jugendliche anbieten. Seit zwei Jahren etwa habe sich bereits ein fester Kreis um eine Mescheder Familie gebildet. "Bisher mussten die Mitglieder der Kirche Jesu Christi bis nach Unna fahren, um die nächste Gemeinde aufzusuchen." Am Sonntag wird auch für Mescheder ein eigener ehrenamtlicher Gemeindepräsident berufen.

Schon in den vergangenen Wochen waren die zumeist jungen Männer und Frauen, Missionare aus Amerika, in Meschede unterwegs. Vereinzelt fanden sich Zettel mit freundlichen Gesprächsangeboten in den Briefkästen. Doch über ihren Glauben, der das Buch Mormon als die Bibel ergänzende Heilige Schrift betrachtet, diskutieren die Kirchenmitglieder nicht.

"Gefährlich?", der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, Dr. Rüdiger Hauth lacht, "gefährlich ist es bei normalem Verkehr die Straße zu überqueren, aber die Mormonen sind nicht gefährlich." Die christlichen Kirchen setzten sich inhaltlich theologisch mit ihnen auseinander.

Aber die Mormonen gehören nicht zum breiten Spektrum der christlichen Kirchen. Der Sektenbeauftragte bezeichnet sie als amerikanische Neureligion - Amerika ist ihr Kontinent des Heils. "Die Mitglieder behaupten, dass es nach dem Tod der Apostel dunkel wurde und Gott daher im Jahr 1823 den amerikanischen Propheten Joseph Smith berief, um die Urgemeinden wiederherzustellen." Das aus dieser "Neuen Offenbarung", entstandene Buch Mormon gab ihnen den ungeliebten Namen "Mormonen". 36 000 Mitglieder zählt die Religionsgemeinschaft in Deutschland.

Hauth: "Ihr Glauben ist sehr weit vom christlichen entfernt, zum Teil obskur: In Amerika soll Jesus eines Tages wieder erscheinen, dort soll das Paradies liegen." Eine Diskussion sei nicht möglich. "Sie halten sich für die einzig wahre christliche Kirche, alle anderen seien Gott ein Gräuel."

04.09.2002 Von Ute Tolksdorf
 
 

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