Diese Kirche wächst
7.9.2002 | Neue Ruhr Zeitung Lokales
Gegen den Trend: Die Mormonen werden mehr und haben an der Schermbecker Landstraße ein neues Haus errichtet. Demnächst senden sie zwei weitere Missionare aus.
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WESEL. Anderswo werden Gotteshäuser zu Kneipen umgewidmet. In Wesel wurde in neun Monaten eine neue Kirche gebaut: die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" an der Schermbecker Landstraße/Ecke Rosenstraße. Die 155 Mitglieder ihrer seit fünf Jahren bestehenden Weseler Gemeinde, die auch aus dem Umland kommen, haben nach längerem Suchen und Diskussionen um den Standort auch räumlich eine Heimat gefunden.
Kirche heißt hier Zweckmäßigkeit über zwei Etagen - schlicht-modern, ohne jeden Schnörkel. Das gilt auch für den großen Versammlungsraum, die Kapelle, die 120, mit Erweiterung 160 Besucher fasst. Statt Kanzel gibt es ein Rednerpult, und das Ganze lässt sich auch in eine Bühne für Vorträge oder kulturelle Veranstaltungen umfunktionieren. Jeden Sonntag ab 9 Uhr findet hier die Versammlung der Gemeinde statt, danach der Abendmahlsgottesdienst mit Brot und Wasser.
In den vielen "Klassenräumen" werden Gruppen mit Jungen und Mädchen, jungen Frauen und Männern unterrichtet - hübsch getrennt voneinander und jeweils mit eigenen Klassenpräsidenten und -präsidentinnen. Oder die ganz jungen Gemeindemitglieder krabbeln, spielen und singen hier. Hinter dem Gebäude kann man Basket- und Volleyball spielen.
Dieser Kirche ist die Familie heilig. Ihre Brüder und Schwestern glauben, dass sie wie auch die Ehe über den Tod hinaus ewig fortbesteht. Einbezogen werden auch die Vorfahren. In einem Raum können auch Nichtmitglieder per Internet Ahnenforschung betreiben.
Dass diese Kirche - gegen den Trend- wächst, liege unter anderem an ihren Missionaren, sagt Dr. Thomas Müller (39), Arzt und Präsident der Gemeinde. Derzeit gibt es in Wesel zwei dieser speziell ausgebildeten jungen Männer zwischen 19 und 26, demnächst vier.
Dem Präsidenten stehen - ebenfalls ehrenamtlich - zwei Ratgeber zur Seite. Frauen sind in diesen Priestertumsämtern nicht zugelassen. Ansonsten gestalten alle die Gemeindearbeit mit, auch schon die Kinder.
Dass junge und alte Menschen aus allen Berufen und gesellschaftlichen Schichten den Weg hierher finden, liegt wohl auch daran, dass hier Werte wie Fleiß, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Treue und Tugendhaftigkeit (kein Tabak, kein Alkohol) hochgehalten werden. Der Obrigkeit untertan zu sein und den Gesetzen zu gehorchen ist für die Mormonen Pflicht.
Wie in biblischen Zeiten entrichten die Mitglieder den Zehnten - ein Zehntel des persönlichen Einkommens. Bei finanziellen Schwierigkeiten hilft ein Fonds. Der Kirchenbau wurde aus der Gesamtkasse der weltweit verbreiteten Kirche mit ihrer Zentrale in Salt Lake City in den USA finanziert. Am 13. Oktober um 10 Uhr wird er geweiht. Am Vortag ist von 10 bis 15 Uhr Tag der offenen Tür.
06.09.2002 JOACHIM FREUND
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Im Innern ein großes Becken für die Taufe durch Untertauchen und eine Satelliten-Anlage zur Übertragung von internationalen Konferenzen: die neue Kirche an der B 58. (Foto: Johann Ridder)
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