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Als Missionare in Erfurt unterwegs
09.Feb.04 | TLZ



Erfurt. (tlz) Sehr jung, sehr korrekt gekleidet, fast uniformiert, fallen sie in diesen Tagen auf im Erfurter Straßenbild - der 23-jährige Florian Fraaß aus dem bayerischen Bad Berneck und der 20-jährige Sean Marshall aus Idaho Falls in den USA. Sie sprechen die Passanten an, es kann aber auch geschehen, dass sie vor der Haustür stehen, sind sie doch als Missionare im Freiwilligen Dienst für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage unterwegs, landläufig "Mormonen" genannt.





"Wir wollen mit den Menschen über unseren Glauben reden, aber nicht aufdringlich sein. Es bringt nichts, Leute zu nerven", wissen die Beiden. "Wir gehören zu keiner Sekte", sei meist das erste, was sie erklären müssten - die Angst vereinnahmt zu werden, sei groß. Bei Bedarf machen sie Termine aus, kommen zum Hausbesuch und intensiverem Gespräch oder vermitteln an die Erfurter Gemeinde, die seit 1908 besteht. "Auch in der DDR waren Mormonen eine anerkannte Kirche, ihr erster deutscher Tempel wurde 1985 in Freiberg eingeweiht", wissen die Beiden. Dies sei ein heiliges Gebäude für besondere Handlungen, das nächste sei damals im schweizerischen Bern gewesen. Und weil die Gemeindemitglieder der DDR überaus viele Ausreiseanträge gestellt hätten, um dorthin zu gelangen, habe der Staat schließlich nachgegeben, den Tempelbau erlaubt, um die Menschen zu halten.

In der Gemeinde helfen Florian und Sean ebenfalls; der Freiwillige Dienst dauert zwei Jahre, die Einsatzorte werden in der Kirchenzentrale in Salt Lake City (USA) bestimmt, dort müssen sich die jungen Männer und Frauen auch darum bewerben. In etwa fünf verschiedenen Städten werden sie während dieser Zeit eingesetzt - von Erfurt werden ihnen wohl besonders die Kirchen in Erinnerung bleiben. Sean interessiert sich für Architektur, Florian für Gotteshäuser. Auf Angeln und Schneemobil fahren muss Sean allerdings hier verzichten und der 1. FC Nürnberg erst einmal ohne den Fußball-Fan Florian auskommen, der im übrigen als Autogramm-Jäger zuhause mehr als 40000 davon hat.

Nach den zwei Jahren geht es für Sean zurück zum Studium in die USA, für Florian soll es dann anfangen - "Gott wird uns führen", sagen sie.

09.02.2004 Von Anette Elsner

Originalartikel
 
 

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