Mormonen-Computer suchen nach Terroristen
25.3.2002 | Netzeitung Vermischtes
Die Freikirche aus Utah legt aus Glaubensgründen viel wert auf die Ahnenforschung. Ihr riesiger Archiv-Rechner mit Herkunftsdaten von Millionen von Menschen soll nun dem FBI helfen.
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Trägt das veraltete Informationssystem der US-Bundespolizei eine Mitschuld an den Anschlägen des 11. September? Einige amerikanische Sicherheitsexperten gehen davon aus. Für die Leitungsebene des FBI ist der schwere Vorwurf Grund genug, sich ihre Technik nun genauer anzusehen - und aufgefundene Lücken schnell zu schließen.
Dabei wenden sich die Beamten derzeit an ungewöhnliche Helfer: Die Mormonen-Sekte, die im US-Bundesstaat Utah aus religiösen Gründen eine gigantische geneologische Sammlung betreibt, die man auch über das Internet abrufen kann, soll Unterstützung liefern.
Technik des FBI gilt als veraltet
Die Erfahrungen beim Aufbau dieses riesigen Archives sollen der US-Bundespolizei dabei helfen, ihre eigenen Systeme zu optimieren. Die hatten nach den verheerenden Terroranschlägen im letzten Jahr zum Teil versagt, wie nun vor dem Rechtsausschuss des amerikanischen Senates bekannt wurde. So sei es etwa nicht möglich gewesen, die Fahndungsfotos der 19 mutmaßlichen Selbstmordattentäter auf elektronischem Wege an die Agenten in den USA und in aller Welt zu verteilen. Sie hätten mittels Kurier über Nacht ausgeliefert werden müssen, berichtet die Tageszeitung 'USA Today'.
Datenchaos bei der US-Bundespolizei
Probleme beim Computermanagement des FBI wurden auch als Begründung genannt, als die Behörde es nicht schaffte, mehr als 3000 Dokumente im Gerichtsverfahren gegen den Oklahoma-Attentäter Timothy Mc Veigh beizuschaffen. Laut Ansicht eines Experten aus dem US-Justizministerium seien die beiden beim FBI eingesetzten Ablagesysteme - das eine Papier-basiert, das andere per PC - «nicht verlässlich». Das habe negative Auswirkungen auf die Fähigkeit der Bundespolizei, Verbrechen optimal aufzuklären. Die Behörde kämpft mit Millionen von Dokumenten aus den verschiedensten Quellen.
Mormonen haben Datenbank im Griff
Die Mormonen in Utah haben ihre Datenbank dagegen im Griff, meldet die 'USA Today'. Ihr Archiv sei auf technisch hohem Stand und könne etwa veränderte Namen problemlos erkennen. Die vom FBI eingesetzte «Suchmaschine» sei dagegen über ein Jahrzehnt alt und stark limitiert. Neidisch sind die Männer und Frauen der US-Bundespolizei auch auf die leichte Zugänglichkeit der Informationen, die die Freikirche verwaltet:
Das mormonische Familien-Archiv
Via Familysearch.org können die meisten User in Sekundenschnelle mit wenigen Mausklicks Daten zur Familiengeschichte finden. Dort werden Informationen zu Millionen von Menschen zum Abruf vorgehalten. Die Sekte hat ihre zum Teil sehr alten Daten, die auf Mikrofilm und Karteikarten vorlagen, breit digitalisiert. Computerexperten der Mormonen sprechen nun mit dem FBI über ein «Upgrade» der dortigen Systeme.
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