Christen jenseits der Christenheit
13.04.02 | 10. März 2002, EZ Nr. 10
Die „ Heiligen der letzten Tage " Von Renate Baumgart
Olympia in Salt Lake City hat sie in den Blickpunkt der Welt gerückt: die Mormonen, die Anhänger der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage".
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Die US-Stadt am Salzsee ist ihre Haupt- und Gründungsstadt, der Staat Utah ihr Stammland. Berühmt-berüchtigt sind sie vor allem für die Vielehe - fälschlicherweise, denn die haben sie längst abgeschafft. Und für ihren Missionseifer - der beseelt sie tatsächlich noch, und deshalb gibt es Mormonen fast überall in der Welt. Auch in Hannover.
Die Gemeinde zählt rund 400 Mitglieder, allein 150 bis 200 kommen zu den sonntäglichen Gottesdiensten. Sie finanzieren ihre Kirche samt Mehrzweckhalle, Bibliothek, Unterrichtsräumen und Büros mit dem Zehnten ihres Einkommens und mit einem hohen ehrenamtlichen Einsatz. „Gott liebt uns und führt uns auch heutzutage noch durch Offenbarungen", so fasst der 29-jährige Medizinstudent Benjamin Schulze den Kern seines Glaubens zusammen. Er ist das älteste von sieben Kindern. Kinderreichtum ist bei den Mormonen keine Seltenheit, die Familie hat einen sehr hohen Stellenwert.
„Wir glauben halt, dass wir mit unseren Familienmitgliedern auch nach dem Tod zusammen sind", sagt die 14-jährige Emma Field, „deshalb behandeln wir sie sehr gut." Diese „Perspektive der Ewigkeit" hat unter anderem dazu geführt, dass die Mormonen ein umfangreiches Internet-Archiv für die Ahnenforschung pflegen (www.familysearch.org).
„Wir sind bereit, im alltäglichen Leben Konflikte zu lösen", erklärt die 25-jährige lsabel Bergmann, „daher ist bei uns auch die Scheidungsbereitschaft sehr niedrig." Benjamin ergänzt: „Was nicht heißt, dass es keine Scheidungen gibt. Wir sind auch nicht perfekt, aber wir gehen schon mit einer besonderen Einstellung in die Ehe." Sex vor der Ehe, Alkohol, Nikotin, Kaffee und schwarzer Tee sind verboten - eine rigide, gar altmodische Anmutung. Aber auch Gebote gehören zum „Wort der Weisheit", dem Gesundheitskodex der Mormonen: „Fleisch in Maßen, viel Getreide und viel Gemüse", sagt Benjamin. Das liegt immerhin im Trend der Zeit.
Zum Lebenslauf eines jeden Mormonen gehört die selbstfinanzierte zweijährige Missionstätigkeit: Männer ab 19, Frauen ab 21 Jahren.
Benjamin war im Raum Frankfurt unterwegs, hat „vielen Menschen helfen dürfen, eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen", lsabel hatte schon alles geplant und Geld gespart, doch dann traf sie den Mann ihres Lebens. „Ich hab dann geheiratet, statt auf Mission zu gehen", erzählt sie. Benjamin kommentiert lachend: „Ja, wenn man keinen Sex vor der Ehe haben darf, dann will man ja auch nicht ewig warten!"
EZ-Hinweis: Mormonen in Hannover: „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", Hildesheimer Straße 344, 30519 Hannover-Wülfel.
Das Interview als MP3 wie es auf FFN ausgestrahlt wurde
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Genealogische Forschung bei den Mormonen: Emma Field und Benjamin Schulze auf der Suche nach Ahnen . „Für Interessierte ist Terminabsprache unter Telefon 05 11-8 69 97 24 notwendig", sagt Schulze, „weil Leseplätze immer voll belegt sind." Foto: Jens Schulze
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